Dynamische Lichtstreuung (DLS) verständlich erklärt
Z-Average, PDI, Intensitäts- und Anzahlverteilung: wie die DLS funktioniert, wie Sie Messergebnisse richtig lesen und welche Fehler im Labor häufig passieren.
Die dynamische Lichtstreuung (DLS) misst die Größe von Partikeln in einer Flüssigkeit, indem sie verfolgt, wie schnell das gestreute Laserlicht schwankt. Diese Schwankungen entstehen, weil sich die Partikel durch die Brownsche Molekularbewegung ständig bewegen: kleine schnell, große langsam. Aus der Bewegungsgeschwindigkeit berechnet das Gerät den hydrodynamischen Durchmesser, typischerweise vom Bereich weniger Nanometer bis in den Mikrometerbereich.
Die DLS ist die Standardmethode für Liposomen, Lipid-Nanopartikel, Gold-Kolloide und Proteinlösungen. Sie ist schnell und einfach zu bedienen, ihre Ergebnisse werden aber oft falsch gelesen. Dieser Artikel erklärt Messprinzip, Kennzahlen und typische Fehlerquellen.
Das Messprinzip
Vom Streulicht zur Korrelationsfunktion
Ein Laserstrahl durchleuchtet die Probe in einer Küvette. Die Partikel streuen das Licht in alle Richtungen, ein Detektor erfasst es unter einem festen Winkel. Viele Geräte messen in Rückstreuung, bei einem Winkel von etwa 173 Grad, was Mehrfachstreuung in konzentrierten Proben verringert.
Weil sich die Partikel bewegen, überlagern sich die Streuwellen ständig neu. Die gemessene Intensität flackert im Bereich von Mikrosekunden bis Millisekunden. Ein Korrelator vergleicht das Signal mit sich selbst zu späteren Zeitpunkten. Bei kleinen, schnellen Partikeln geht die Ähnlichkeit rasch verloren, bei großen, langsamen hält sie länger an. Das Ergebnis ist die Autokorrelationsfunktion, deren Abklingen die Grundlage aller weiteren Berechnungen ist.
Von der Diffusion zur Größe
Aus dem Abklingen der Korrelationsfunktion ergibt sich der Diffusionskoeffizient D. Die Stokes-Einstein-Gleichung verknüpft ihn mit dem hydrodynamischen Durchmesser:
d = k·T / (3·π·η·D)
Dabei ist k die Boltzmann-Konstante, T die absolute Temperatur und η die Viskosität des Lösungsmittels. Daraus folgen zwei praktische Regeln: Temperatur und Viskosität müssen stimmen, und die Probe muss im Gerät die eingestellte Temperatur erreicht haben, bevor gemessen wird.
Hydrodynamischer Durchmesser ist der Durchmesser einer gedachten Kugel, die genauso schnell diffundiert wie der gemessene Partikel. Er umfasst den Kern, jede Hülle aus Polymeren oder Proteinen und eine dünne mitbewegte Lösungsmittelschicht. Für nicht kugelförmige Partikel wie Stäbchen ist er ein Ersatzwert.
Die wichtigsten Kennzahlen
Z-Average
Der Z-Average ist der zentrale Wert jeder DLS-Messung. Er stammt aus der Kumulantenanalyse, die die Korrelationsfunktion mit einer einfachen mathematischen Reihe beschreibt. Er ist ein intensitätsgewichteter harmonischer Mittelwert. Für einheitliche, monomodale Proben ist er robust und gut reproduzierbar und eignet sich deshalb für Qualitätskontrolle und Vergleiche. Die Norm ISO 22412 beschreibt dieses Vorgehen.
Polydispersitätsindex (PDI)
Der PDI stammt aus derselben Analyse und beschreibt die Breite der Größenverteilung. Er ist dimensionslos. Für die Praxis gelten grobe Orientierungswerte:
| PDI | Einordnung in der Praxis |
|---|---|
| unter etwa 0,1 | sehr enge Verteilung, typisch für gut kontrollierte Kolloide |
| etwa 0,1 bis 0,3 | mäßig breit, für viele Lipid- und Polymerpartikel üblich |
| etwa 0,3 bis 0,7 | breite Verteilung, Z-Average nur eingeschränkt aussagekräftig |
| über etwa 0,7 | sehr breit oder Aggregate, Probe für DLS kaum geeignet |
Diese Werte sind Erfahrungsgrößen, keine Normgrenzen. Welche Werte akzeptabel sind, hängt von Material und Anwendung ab.
Intensitäts-, Volumen- und Anzahlverteilung
Neben dem Z-Average berechnet die Software eine Größenverteilung. Grundlage ist immer die Intensitätsverteilung, denn das Gerät misst Licht. Hier liegt die wichtigste Falle: Für Partikel, die deutlich kleiner als die Lichtwellenlänge sind, steigt die Streuintensität etwa mit der sechsten Potenz des Durchmessers. Ein Partikel mit 100 Nanometern streut damit rund eine Million Mal stärker als einer mit 10 Nanometern.
Ein Beispiel: Eine Probe enthält gleich viele Partikel mit 10 und mit 100 Nanometern. In der Intensitätsverteilung dominiert der 100-Nanometer-Peak fast vollständig. In der Anzahlverteilung wären beide gleich hoch. Umgekehrt können wenige Aggregate in einer sonst einheitlichen Probe einen deutlichen Intensitätspeak erzeugen, obwohl sie zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen.
Die Software kann die Intensitätsverteilung über die Mie-Theorie in Volumen- und Anzahlverteilungen umrechnen. Dafür braucht sie den Brechungsindex und die Absorption des Materials und setzt kugelförmige, homogene Partikel voraus. Messfehler werden bei der Umrechnung stark vergrößert. Anzahlverteilungen aus der DLS dienen deshalb nur der Orientierung.
Typische Fehlerquellen
| Problem | Folge | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Staub oder Aggregate | große Peaks, zu hoher Z-Average | Lösungsmittel filtrieren, Probe zentrifugieren oder filtrieren, wenn das Material es zulässt |
| zu hohe Konzentration | Mehrfachstreuung, Partikelwechselwirkungen | Verdünnungsreihe messen, Rückstreuung nutzen |
| zu niedrige Konzentration | verrauschtes Signal | Konzentration erhöhen, Messzeit verlängern |
| falsche Viskosität oder Temperatur | systematisch falsche Größe | Lösungsmittelparameter prüfen, Äquilibrierung abwarten |
| Sedimentation großer Partikel | instabile Messung | DLS ist für schwere Partikel im Mikrometerbereich ungeeignet |
| Luftblasen, Fingerabdrücke, Kratzer | Störsignale | saubere Küvetten, vorsichtiges Befüllen |
| Fluoreszenz oder Absorption | verfälschtes Signal | Filter nutzen, passende Laserwellenlänge wählen |
| Salz und pH | Aggregation während der Messung | Medium bewusst wählen und angeben |
Gerade bei biologischen Proben verändert das Medium die Partikel. Proteine aus Serum bilden eine Hülle, die sogenannte Protein-Corona, und vergrößern den hydrodynamischen Durchmesser. Wechselnde Salzgehalte verändern die Abstoßung zwischen den Partikeln, die sich über das Zetapotential beschreiben lässt. Oft wird beides am selben Gerät gemessen.
Praxisbeispiel: Ergebnis richtig lesen
Angenommen, eine Probe aus Lipid-Nanopartikeln ergibt einen Z-Average von 95 Nanometern bei einem PDI von 0,12. Die Intensitätsverteilung zeigt einen einzelnen Peak. Das spricht für eine einheitliche Probe, der Z-Average ist hier ein guter Kennwert für Vergleiche zwischen Chargen.
Zeigt dieselbe Probe nach einigen Wochen Lagerung einen Z-Average von 130 Nanometern, einen PDI von 0,35 und einen zweiten kleinen Peak im Mikrometerbereich, hat sich etwas verändert. Wahrscheinlich sind Aggregate entstanden. Der Hauptpeak kann dabei fast unverändert bleiben, denn wenige große Aggregate beeinflussen den Z-Average stark, obwohl die meisten Partikel noch einzeln vorliegen. Für eine Bewertung sollten Sie hier Intensitätsverteilung, Messwiederholungen und eine zweite Methode heranziehen, statt allein den Mittelwert zu vergleichen.
Was ins Messprotokoll gehört
Damit DLS-Ergebnisse vergleichbar sind, sollten immer angegeben werden:
- Gerät, Laserwellenlänge und Messwinkel,
- Medium, pH, Salzgehalt, Temperatur und verwendete Viskosität,
- Konzentration und Probenvorbereitung, etwa Filtration oder Ultraschall,
- Anzahl der Messungen und Wiederholungen,
- Z-Average und PDI mit Standardabweichung,
- Art der Verteilung (Intensität, Volumen oder Anzahl) und das verwendete Auswertemodell.
Wer nur eine einzelne Zahl ohne diese Angaben nennt, macht das Ergebnis schwer überprüfbar.
DLS im Vergleich mit anderen Methoden
Die DLS ist schnell, misst in Lösung und braucht wenig Probe. Sie zeigt aber keine Form und trennt Populationen mit ähnlicher Größe schlecht. Deshalb wird sie mit anderen Verfahren kombiniert:
- Transmissionselektronenmikroskopie liefert Bilder einzelner Partikel und eine anzahlbasierte Verteilung des Kerns. Mehr dazu im Artikel über die Transmissionselektronenmikroskopie.
- Partikel-Tracking-Analyse verfolgt einzelne Partikel unter dem Mikroskop und liefert Anzahl und Konzentration.
- Statische oder Mehrwinkel-Lichtstreuung, oft gekoppelt mit Feldflussfraktionierung, trennt Populationen vor der Messung.
- Kleinwinkel-Röntgenstreuung gibt Auskunft über innere Struktur und Größe auch sehr kleiner Partikel.
Unterscheiden sich DLS und TEM deutlich, ist das kein Messfehler, sondern ein Hinweis auf Hülle, Aggregation oder Gewichtung. Die Übersicht aller Methoden steht auf der Seite Charakterisierung von Nanomaterialien.
Fazit
Die DLS ist das Arbeitspferd der Größenmessung in Lösung. Ihre Ergebnisse sind zuverlässig, wenn die Probe sauber und einheitlich ist und der Z-Average zusammen mit dem PDI und den Messbedingungen angegeben wird. Bei breiten Verteilungen, Aggregaten oder Mischungen braucht es eine zweite Methode, weil die starke Intensitätsgewichtung große Partikel überbetont.
Fragen und Antworten
- Was ist der Unterschied zwischen Z-Average und Peak-Größe?
- Der Z-Average ist ein einzelner, intensitätsgewichteter Mittelwert aus der Kumulantenanalyse und gut für Vergleiche einheitlicher Proben geeignet. Die Peak-Größen stammen aus einer Verteilungsanalyse und zeigen, ob die Probe mehrere Populationen enthält. Bei breiten oder mehrgipfligen Verteilungen ist der Z-Average allein wenig aussagekräftig.
- Welcher PDI ist gut?
- Werte um 0,1 und darunter gelten in der Praxis als sehr enge Verteilung, Werte bis etwa 0,2 bis 0,3 werden für viele Lipid- und Polymerpartikel als akzeptabel angesehen. Sehr hohe Werte deuten auf eine breite Verteilung oder Aggregate hin, für die die DLS kaum noch verlässliche Größen liefert. Die genauen Grenzen hängen von Material, Anwendung und Gerät ab.
- Warum ist die DLS-Größe größer als im Elektronenmikroskop?
- Die DLS misst den hydrodynamischen Durchmesser, der Hülle, gebundene Moleküle und eine mitbewegte Wasserschicht einschließt. Das Elektronenmikroskop zeigt den trockenen Kern. Außerdem gewichtet die DLS große Partikel sehr stark. Ein DLS-Wert über dem TEM-Wert ist deshalb normal.
- Kann ich die Intensitätsverteilung in eine Anzahlverteilung umrechnen?
- Die Software kann das, die Umrechnung setzt aber kugelförmige, homogene Partikel und bekannte optische Eigenschaften voraus. Kleine Fehler in der Intensitätsverteilung werden dabei stark vergrößert. Anzahlverteilungen aus der DLS sollten deshalb nur als grobe Orientierung dienen und möglichst mit einer anzahlbasierten Methode wie TEM oder Partikel-Tracking-Analyse überprüft werden.
Quellen und weiterführende Stellen
- ISO 22412: Particle size analysis, Dynamic light scattering (DLS).
- Bruce J. Berne und Robert Pecora: Dynamic Light Scattering. With Applications to Chemistry, Biology, and Physics. Lehrbuch, Wiley, Neuauflage Dover.
- Dennis E. Koppel: Analysis of macromolecular polydispersity in intensity correlation spectroscopy: the method of cumulants. Journal of Chemical Physics, 1972.
- Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC): Berichte zu Messverfahren für Nanopartikel.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion NanoImmunoTech.